Reisebüros
Die Tourismusbranche ist eine der großen Dienstleistungsbranchen in Deutschland. Laut der Übersicht "Fakten und Zahlen zum deutschen Reisemarkt 2008" des Deutschen Reise-Verbands (DRV), liegt der gesamtwirtschaftliche Produktionswert der Tourismusindustrie in Deutschland bei über 185 Milliarden Euro. Die deutschen Touristen
sind die größten internationalen Netto-Devisenbringer im Reiseverkehr. Das beliebteste Reiseziel der Deutschen ist Deutschland selbst. Ab fünf Tagen Dauer verbringen rund 30 Prozent der Deutschen den Urlaub in Deutschland. Bei den Nahezielen führen Österreich, Frankreich, Dänemark und die Beneluxstaaten. Die Kanaren, Balearen, Spanien und Italien gehören ebenfalls zu den beliebten Reisezielen der Deutschen. Zu den beliebtesten Reisemetropolen in Deutschland gehören Berlin, München, Hamburg, Frankfurt a.M. und Köln. Vor allem die Hauptstadt Berlin boomt seit vielen Jahren im nationalen und internationalen Tourismus. Im Durchschnitt verbringen die Deutschen 10,8 Tage im Reiseland. Zu den drei Topreisezielen der Deutschen im Inland gehören Bayern, Mecklenburg-Vorpommern oder Baden-Württemberg. Weiterhin das beliebteste Reisemittel der Deutschen ist das Auto, gefolgt vom Flugzeug, dem Bus und der Bahn. Vor allem auch das Fluggastaufkommen ist im Jahr 2008 nochmals gestiegen. Die Wirtschaftskrise 2009 hat auch die Reisebranche ergriffen. Trotz aller Krisen ist aber die deutsche Tourismusbranche zuversichtlich, dass sie das schwierige Jahr 2009 gut überstehen kann. Im Megatrend liegen vor allem Kreuzfahrten. Hochsee-Kreuzfahrten im Mittelmeer, Nordland und der Karibik liegen bei vielen Zielgruppen hoch im Kurs.
Einer der zentralen Dienstleister im Verkehr ist die Deutsche Bahn. Insgesamt beförderten die deutschen Eisenbahnen 2,3 Milliarden Passagiere. Über 300 Eisenbahnunternehmen gibt es im Personenverkehr in Deutschland. Zentrale Dienstleistungsunternehmen im Reisemarkt sind immer noch die Reisebüros. Es gibt laut der Tourismusstudie des Deutschen Reise-Verbands 2008, über 11.000 Reisebüros. Die größte Zahl sind Tourismusbüros, die mindestens zwei Veranstalter-Lizenzen, ohne Verkehrsträgerlizenz, haben. Es gibt fast 3.200 klassische Reisebüros mit mindestens einer Veranstalter- und Verkehrsträgerlizenz. Im Bereich Business Travel gibt es 951 Reisebüros und andere Dienstleister wie Firmenreisedienste. Das Privatkundengeschäft ist fast doppelt so groß wie das Business-Travel-Geschäft in den deutschen Reisbüros. In Deutschland gibt es fast 3.000 DB-Agenturen. Die Agenturen sind die Vertriebspartner der Deutschen Bahn und im Service überaus wichtig. Vor allem auch ältere Menschen, die die Bahn-Automaten nicht bedienen können, oder Reisende, die komplizierte Bahnreisen durchführen wollen, kommen oft besser in die DB-Agenturen. Mitunter kann eine gute Beratung in einer DB-Agentur günstigere Reiseangebote bringen. Fast 3.900 Agenturen sind IATA-Agenturen: Reisebüros, die Flugscheine der IATA-Airlines (International Air Transport Association) auszustellen. IATA-Lizenzen werden nur an Reisebüros vergeben, die bestimmte Kriterien erfüllen, unter anderem müssen sie IATA-Fachkräfte beschäftigen und eine Bankbürgschaft vorlegen.
Durch die Kooperationen der Tourismuskonzerne sind viele Reisebüroketten entstanden. Die drei führenden Reisebüroketten machen rund 2/3 des Umsatzes im Privatreisegeschäft. Alleine REWE Touristik hat über 2.600 Reisebüros. Die Touristikgesellschaft aus Köln erwirtschafte im Jahr 2006 rund 4,3 Milliarden Euro. Durch die Konkurrenz im Internet müssen sich die klassischen Reisebüros immer mehr auf den Kundenfaktor Service konzentrieren. Gerade bei anspruchsvollen Reisen sind die Beratungen gefragt. Vor allem auch die ältere Generation tut sich immer noch mit den Buchungen über das Internet schwer. Den größten Marktanteil bei Internetreisen verbuchen die Angebote zwischen 500 und 2.000 Euro. Vor allem Pauschalreisen mit einer oder zwei Personen sind im Online-Reisemarkt gefragt. Die meisten Online-Bucher sind zwischen 30-50 Jahre alt. Für die selbstständigen Reisebüros liegt die Kundschaft vor allem in Reisen über der 2.500 Euro-Schwelle. Nur ein geringerer Prozentsatz von rund 12 Prozent bucht teure Reisen über das Internet. Sowohl klassische Reisbüros wie auch Online-Reiseveranstalter haben also ihre Daseinsberechtigung. Vor allem mit optimierten Informations- und Kommunikationsangeboten möchten viele klassische Reisebüros neue Kunden erreichen.