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Schuldnerberatung

Die Überschuldung von natürlichen und juristischen Personen ist ein ernstes Gesellschaftsproblem, das immer mit persönlichen Schicksalen verbunden ist. Nach verschiedenen Studien sind in Deutschland über drei Millionen Haushalte von Überschuldungen betroffen. Die Ursachen können hier sehr unterschiedlich sein und müssen

immer von allen Seiten realistisch betrachtet werden. Ist durch die Überschuldung die Grundversorgung der Personen und Haushalte betroffen, ist es für die Beteiligten oft schwer rationale Strategien und Taktiken zur Entschuldung zu gestalten. Viele Menschen geraden dann in einen Kreislauf von Schulden und Lebenskrisen. Von der Schuldensituation und den Lebenskrisen sind meistens auch die Verwandten, Lebenspartner und Freunde betroffen. Im schlimmsten Fall werden die Rechnungen nur noch ungeöffnet entsorgt und wird die Ausweglosigkeit in Alkohol oder Tabletten manifestiert. Vor allem die Arbeitslosigkeit, private Trennungen, Krankheiten und unwirtschaftliche Haushaltsführungen führen in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern zu privaten Überschuldungen. Weitere Gründe sind zum Beispiel gescheiterte Immobilienfinanzierungen oder auch gescheiterte Existenzgründungen. Heute sind private Insolvenzen meist auf viele unterschiedliche Faktoren zurückzuführen. An den obersten Stellen der Gläubiger sind häufig die Banken, Inkassounternehmen und öffentliche Gläubiger wie die Finanzämter zu finden. Viele überschuldete Haushalte jonglieren auch mit den Rechnungen und hoffen auf positive Umstände, die meistens nicht eintreten. Grundsätzlich gibt es viele Ansatzpunkte seriös aus der Finanzkrise zu kommen. Man ist in den meisten Fällen gut beraten sich professionelle Hilfe zu holen. In Deutschland ist es oft so, dass vor allem Frauen als Lebenspartner in die Schuldenfalle tappen, wenn sie mit Bürgschaften dem Partner finanziell helfen wollen. Solche privaten Lösungsmodelle sollte man tunlichst vermeiden.

Seit den 1980er Jahren gibt es spezielle Schuldnerberatungen in den Städten und Kommunen. Die Kommunen sind gesetzlich angehalten solche Schuldnerberatungsstellen zu gewährleisten. Grundsätzlich kann jeder Bürger, dem eine Überschuldung droht, eine Schuldnerberatung wahrnehmen. In der Regel sind die Ämter für Soziales in den Städten und Kommunen die ersten Ansprechpartner, die dann an Schuldnerberatungen vermitteln. Es gibt heute über 1.000 Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen. Die Bundesländer bieten sogenannte Insolvenzberatungsstellen, die Restschuldbefreiungen nach dem Verbraucherinsolvenzverfahren durchführen. Die freien Wohlfahrtsverbände sind meistens die Träger der Schuldnerberatungsstellen. Hier sind zum Beispiel der Deutsche Caritasverband, das Diakonische Werk oder die Evangelische Kirche in Deutschland tätig. Die private Schuldnerberatung ist für die Betroffenen kostenlos. Kommerzielle Schuldenregulierungen sind mit Gebühren verbunden. Im Vorfeld sollte man immer die kostenlosen Schuldnerberatungen und die kommerziellen Schuldenregulierung auf Seriosität überprüfen. Sofern es noch möglich ist, sollte man zur ersten Schuldnerberatung die wichtigsten persönlichen Dokumente und Unterlagen mitbringen. Sollten die Unterlagen etwas chaotisch sein, ist dies meistens für die Schuldnerberatungen kein Problem. Sie können sehr schnell mit den Betroffenen die Situation strukturieren.

Durch das Beratungshilfegesetz können auch Menschen, die kein Geld für Rechtsvertreter haben, eine Hilfe bei Rechtsberatungen und Rechtsvertretungen bekommen. Dies ist gegen eine geringe Gebühr möglich (s. Artikel Beratungs- und Prozesskostenhilfe). Man kann sich beim Amtsgericht über die Möglichkeiten informieren. Man sollte auch hier alle notwendigen Unterlagen wie Pässe, Nachweise über das Einkommen oder Sozialleistungen, laufende Kostenbelege wie Miete, Strom, Unterhaltsverpflichtungen oder Darlehensverträge mitbringen. Mit einem Berechtigungsschein des Amtsgerichts kann man zu einem Anwalt gehen. Die Schuldnerberatung und der Anwalt sind sehr wichtige Instanzen, damit man sich nicht verleugnen muss und den Tatsachen ins Auge schauen kann. Die vielfältigen Hilfen sollten auch Freiberufler, Selbstständige oder Geschäftsführer annehmen, da viele beim Thema Schulden und Insolvenz überfordert sind und evtl. noch negativere Szenarien wie eine Insolvenzverschleppung drohen können. Sehr viele und wichtige Informationen bekommt man zum Beispiel bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung, die von Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird. Auf den Seiten der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung findet man zum Beispiel Adressen von Beratungsstellen in der Nähe oder Musterbriefe an Gläubiger zum Downloaden. Solche Musterbriefe gibt es zum Beispiel als Download für Kreditinstitute, Eidesstaatlichen Versicherungen oder als Briefvorlage, wenn die Wohnung bedroht ist. Die Ratgeber auf der Webseite der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung sollte man sich unbedingt anschauen. Hier findet man auch Adressen wie zum Beispiel zum Schufa-Vertrauensmann, der Initiative bürgschaftsgeschädigter Frauen oder den Schlichtungs- und Beschwerdestellen der Kreditinstitute. Auf der Webseite der Bundesarbeitsgemeinschaft kann man auch einen Haushaltsplan oder ein Haushaltsbuch herunterladen.

Die Finanzgruppe der Sparkassen bietet zum Beispiel auf ihrer Webseite einen Budget-Kompass für Jugendliche an. Es gibt eine Print-Ratgeber-Version mit vielen interessanten Themen für Jugendliche, die mit knappen Geldmitteln auskommen müssen. Wer zum Beispiel durch falsche Anlageberatungen bei Finanzprodukten in Not gekommen ist, kann sich an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) wenden. Die BaFin hat auf ihrer Webseite viele Informationen für die Verbraucher.